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Webtexte: Flesch-Score und anderer Wahnsinn

Texte im Internet müssen mehr als nur eines erreichen: Sie müssen die Leser interessieren, gleichzeitig gut verständlich sein und nicht allzu viel Zeit zum Lesen in Anspruch nehmen.

Gleichzeitig sind sie aber auch für Suchmaschinen, wie Google, eine Bewertungsgrundlage für das so genannte „Ranking“ – also der Frage: Wo in den Suchergebnissen taucht eine Webseite auf?

 

Wie machte ich Texte für Besucher und Suchmaschinen interessant?

Als allererstes stehen Texter nun vor dem Problem, dass sich die relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne von Lesern im Internet und die hohen Ansprüche an den Text durch die Suchmaschinen, entgegen stehen.

 

Verschiedene Umfragen und Untersuchungen haben ergeben, dass Artikel im Netz, die gut 100 Wörter haben, schon nur noch zur Hälfte auch wirklich gelesen werden,  bei rund 600 Wörtern aber nicht einmal mehr ein Drittel der Leser am Ball bleibt!

Will man seinen Lesern Gutes tun, hält man seine Texte also kurz.

Natürlich wäre das zu einfach, um wahr zu sein. Denn die größte Suchmaschine Google mag Text besonders gerne, die 821 Wörter haben. Zumindest war das der Durchschnittswert von Seiten, die besonders gut gefunden wurden.  (Quelle: Search Metrics Ranking-Faktoren-Studie 2014)

Nun könnte man sagen: „Okay – dann mache ich den Text lang, schreibe das Wichtige an den Anfang und dann hört der Besucher halt vorher auf, zu lesen…

Könnte man: Denn Google möchte auch, dass Texte bis zu ENDE gelesen werden und misst die Absprungrate und bewertet, ob Besucher auch wirklich unten auf einer Seite ankommen. Also wirklich bis zum Ende gelesen hat.

Und es wird noch besser! Google möchte nicht nur, dass Ihre Texte lang sind und zu Ende gelesen werden. Ein weiterer Einflussfaktor ist auch die Lesbarkeit des Textes. Gemeint ist damit der Schweregrad eines Textes. Um den zu messen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einer ist der so genannte „Flesch-Index“.

Wie wird der Flesch-Index berechnet?

Für den „Flesch-Reading-Ease“ (FRE) oder auch Flesch-Grad gibt es eine Formel – oder genauer gesagt: mehrere. Denn eigentlich braucht es für jede Sprache eine eigene Formel. Insbesondere  die durchschnittliche Satzlänge und die durchschnittliche Silbenanzahl pro Wort fließen in die Formel (die es bei Wikipedia gibt) ein. Besonders lange Sätze mit besonders langen Wörtern werden als schwerer lesbar eingestuft, als kurze Sätze mit kurzen Worten.

Nun möchte aber vermutlich niemand Wörter und Silben zählen, so bietet sich an, den Flesch-Grad mit einem entsprechenden Tool zu ermitteln. Für deutsche Texte kann man dies zum Beispiel auf http://www.fleschindex.de/berechnen machen. Man muss einfach nur noch seinen Text in die Maske kopieren und die Seite wertet Ihren Text automatisch aus.

Am Ende steht dann eine Zahl – der Flesch-Reading-Ease-Score. Im Falle dieses Textes hier übrigens eine 61.

Was bedeutet der Flesch-Reading-Ease-Score?

Kurz gesagt: Je kleiner der Score, desto schwieriger verständlich ist der analysierte Text. Unser 61 liegt also im Mittelfeld.

Flesch-Score     Schweregrad
verständlich für
0 – 30 sehr schwer Akademiker
30 – 50 schwer
50 – 60 mittelschwer
60 – 70 mittel 13- bis 15-jährige Schüler
70 – 80 mittelleicht
80 – 90 leicht
90 – 100 sehr leicht 11-jähriger Schülerer

Wie hoch sollte der Flesch-Score bei einem Webtext sein?

Nicht zu niedrig. 2014 war der lag der durchschnittliche Flesch-Score von Webseiten bei 73/74. (Quelle: Search Metrics Ranking-Faktoren-Studie 2014)

Das entspricht Texten, die für Unter- und Mittelstufenschüler zu verstehen sind.

Matt Cutts – Google Head of Webspam – gibt an, dass eine leichte Lesbarkeit sich positiv auswirkt. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass besonders gut gelistete Webseiten eben nicht über einen besonders hohen Flesch-Score verfügen. Ein gesundes Mittelmaß ist hier also sinnvoll.

Außerdem schlägt sich der Wert noch in anderen Werten nieder. Zum Beispiel der Verweildauer auf einer Seite oder aber der Absprungrate. Ist ein Text zu schwer, werden sich viele nicht die Mühe machen, ihn zu Ende zu lesen.

Allerdings – und das ist etwas, das in Deutschland und dem Sprachverständnis der Deutschen begründet liegt – gilt das auch für Texte, die zu leicht sind.

Folglich gilt auch hier: Kenne Deine Zielgruppe!

Wer mit seiner Webseite im Wesentlichen Akademiker oder Unternehmer anspricht, der sollte auf einen niedrigen Score setzen. Wer einen normalverteilten Querschnitt durch die Bevölkerung anspricht, sollte maximal im mittelschweren Bereich zu finden sein. Wer aber zum Beispiel Kinder anspricht, sollte eine möglichst einfache Lesbarkeit erreichen.

Weitere Faktoren, die Ihre Besucher weiterlesen lassen

Allein die Lesbarkeit hält natürlich keinen Besucher auf einer Webseite. Die Relevanz Ihrer Texte ist entscheidend: Bekommt der Besucher die Informationen, die er sich erhofft hat?
Der zweite Faktor ist die Aufbereitung des Textes. Ist der Text rein optisch schlecht zu lesen, weil Absätze oder Zwischenüberschriften fehlen und zu viel in zu wenig Worte gequetscht wird, ist das augenunfreundlich und damit leserunfreundlich.

Absätze, Gliederung durch Zwischenüberschriften, Bilder, Videos, Diagramme – all das kann einen Text auflockern und zeigt dem Leser, dass Sie sich Mühe gegeben haben, den Inhalt ansprechend zu präsentieren. Infotainment ist also gefragt!

Und zu guter Letzt versetzen Sie sich ab und an mal in Ihre Kunden und Besucher hinein: Werfen Sie nicht mit Fachbegriffen um sich, die Sie verstehen – Ihre Besucher aber nicht unbedingt. Stellen Sie sich die Frage: Was würde mich interessieren?

 

 

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Ein Kommentar

  1. […] beurteilen, ob ein Text für Menschen lesbar ist. Einen Hinweis gibt der so genannte Flesch-Score (dazu hier mehr). Aber die Suchmaschinen erkennen tatsächlich auch, ob es sich um sinnvolle und zusammenhängende […]

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