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Webdesigner sind Betrüger.

„Ich werde meinen Webdesigner verklagen. Webdesigner sind Betrüger.“

So schrieb neulich ein wütender Unternehmer auf Facebook in einer Gruppe, die sich mit WordPress beschäftigt.

Sich so verallgemeinernd negativ über einen gesamten Berufszweig zu äußern ist schon eine deftige Aussage.

Was also war passiert, das ihn zu einer so drastischen Aussage brachte?

Offensichtlich hatte der Mann eine Website für sein Unternehmen beauftragt, eine bekommen und war so zufrieden, dass er den Dienstleister sogar weiterempfohlen hat.

Erzürnt hat ihn dann aber, dass der Webdesigner dann quasi eine identische Website an den Empfohlenen verkauft hat. Dabei hatte er selbst doch eine „individuelle Website“ bestellt und sah sich darin betrogen, dass der ihm bekannte Unternehmer jetzt mit derselben Website unterwegs ist.

Auf die weiteren Details dieses Falls mag ich hier nicht eingehen; finde aber das zugrundeliegende Missverständnis zwischen Firmenkunde und Webdesigner spannend genug, um ihm diesen Blogbeitrag zu spendieren.

Was bedeutet „individuell“?

Dreh- und Angelpunkt der ganzen Sache ist das Wort „individuell“. Wie „individuelle Websites“ zustande kommen, dürfte den meisten Unternehmen nicht direkt ersichtlich sein. Deshalb hier ein kleiner Exkurs. Wer es genauer wissen will, erfährt hier mehr: „Was ist der Unterschied zwischen einem Template/Theme und individuellem Design?

Das Ding mit den Templates/Themes

Man kann zwischen umsonst und sehr kleinem Geld (um 50€ oder $) fertige Designs (Templates/Themes) im Internet herunterladen. Der Webdesigner muss hier nur noch Texte und Bilder inkl. Logo einsetzen und gegebenenfalls die Farben anpassen. Schon ist eine „individuelle“ Website fertig.

Was der Kunde erwartet, zu bekommen…

Die meisten Unternehmen wollen aber eine absolut einmalige Website. Eine, die es in dieser Art nicht ein zweites Mal gibt. Ein absolutes Unikat. Aufgabe des Webdesigners ist es dann in Gesprächen herauszufinden, welche Bedürfnisse die Website zu erfüllen hat und dies dann von einer Strichzeichnung aus in eine funktionierende Website zu verwandeln.

Eine Frage des Budgets!

Dass eine solche Lösung weitaus mehr Zeit in Anspruch nimmt, liegt auf der Hand. Das Budget beträgt hier ein Vielfaches dessen, was die Variante mit einem Template verbraucht. Hier klaffen Anspruch und Budget-Wirklichkeit oft weit auseinander. Da ist es natürlich eine tolle Sache für den Unternehmer, wenn ein Dienstleister eine „individuelle“ Leistung für einen Bruchteil dessen anbietet, was der Mitbewerber aufruft.

Was ist denn jetzt individuell?

Ohne es genau zu wissen, würde ich doch vermuten, dass es keine rechtliche Definition gibt, was man unter einem individuellen Design zu verstehen hat. Insofern dürfen wohl beide Varianten den „Stempel“ individuell tragen.

An der Templatevariante ist erstmal nichts verwerflich. So wie es einen Markt für große, vollausgestattete Limousinen und kleine Sparmobile gibt, so hat auch ein solches Angebot seine Berechtigung.

Problematisch wird es erst, wenn ein Dienstleister vorgaukelt, die aufwändigere Variante zu verkaufen.

Die spannende Frage für ein Unternehmen, das eine Website beauftragen will, lautet also:

Wie erkenne ich, welche Variante mir angeboten wird?

Meine Antwort lautet leider: Anhand eines Angebotes eventuell gar nicht.

Ein Indiz gibt es aber: Wenn der Anbieter ohne Vorgespräch ein Angebot ausstellt, dann ist die Chance sehr hoch, dass es sich um ein Angebot von der Stange handelt. Ein wirklich individuelles Angebot kann man erst zusammenstellen, wenn man weiß, was der Kunde will und braucht.

Kommunikation ist einmal mehr die Lösung

Deshalb gilt für Unternehmer: Sprich mit Deinem Webfuzzi. Und wenn es nicht klar ist, was angeboten wird, dann scheue Dich nicht, die Frage klar zu formulieren, ob ein vorgefertigtes Design angepasst wird.

Wer dies verschleiern will, wird schnell ins Lavieren geraten.

Wer aber ein wirklich individuelles Design für Dich ausarbeitet, der kann ganz leicht erklären, wie die Schritte dahin vonstattengehen. Hier bist Du mit Deinem Unternehmen gut aufgehoben.

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