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Der Jimdo-Selbstversuch

Eine kostenlose Website in 3 Minuten! Das zumindest versprach mir eine Werbung von Jimdo, die über meine Facebook-Timeline flatterte. Normalerweise klicke ich sowas entnervt weg. Normalerweise. Aber diesmal nicht. Irgendwie war da der Gedanke: Was ist, wenn die Baukästen so gut geworden sind, dass Du überflüssig bist?

Und so entschloss ich mich zu einem Selbstversuch. 3 Minuten sollten da wohl drin sein. Vor allen Dingen, wenn meine Bilder schon da sind. Echt jetzt? Wo kommen die her? Das will ich wissen.

Website in 3 Minuten mit Jimdo-Chatbot-„Beratung“

Also schnell eine fiktive Firma ausgedacht: da wir bei WERK 70 gerade viel mit Verstärkern für E-Gitarren zu tun haben und ich selbst seit kurzer Zeit wieder spiele, heißt die mein Laden profan „Guitar Shop“. Zack auf den Link geklickt und auf ins Abenteuer. Aber nicht, ohne am Tablet die Stoppuhr gestartet zu haben. Schließlich will ich auch wissen, ob der Anspruch zu halten ist.

Es öffnet sich ein Chat-Bot. Natürlich mit dem Bild einer jungen, attraktiven Frau. Einen fetten Kerl im fleckigen Feinripp wird man an dieser Stelle wohl nie zu sehen bekommen. Wenn das mal nicht sexisitisch ist… aber zurück zur eigentlichen Thema. Der (vorgeblich) weibliche Chatbot will wissen, wie meine Firma heißt und in welcher Branche ich tätig bin. Dabei gibt es erstmal nur sehr allgemeine Branchenbezeichnungen. Auf einen Klick hin öffnen sich weitere zur Auswahl, aber natürlich ist nichts Passendes dabei. Also überspringe ich diese Option notgedrungen.

Als nächstes will der Chatbot wissen, ob ich einen Instagram-Account habe. Ja, habe ich. Aber da die meisten Kunden das verneinen, klicke ich auch auf nein. Dann soll ich mir noch einen Stil auswählen. „Elegant“, „modern“ oder was auch immer. Also irgendwo draufgeklickt und dann geht die Magie los. Eine Website entsteht hinter einem digitalen Vorhang und taddaa.

Jimdowebsite in UNTER 3 Minuten

Schnell die Stoppuhr angehalten. Es sind 2 Minuten und 37 Sekunden vergangen. Rekordzeit. So schnell geht das heute mit der individuellen Website. Hammer.

So sieht sie aus: https://guitar-shop-1.jimdosite.com/

Hm. Doch nicht so ganz passend. Also Blindtexte und Bilder, die aber mal so gar nichts mit dem gewählten Business zu tun haben. Aber es waren doch „meine“ Bilder angekündigt. Klar, die wird sich das System aus Instagram holen. Also schnell den Instagram-Account angeben und meine Bilder sind da…nein. SO einfach ist es dann nicht. Zumindest habe ich auf die Schnelle keine Möglichkeit gefunden, diesen Schritt nachzuholen.

Egal, es dauert ja keine 3 Minuten, eine Website zu bauen. Also nochmal von vorne und diesmal mit Instagram: Das sieht dann so aus: https://guitar-shop-2.jimdosite.com/

OK, man sieht zwar Gitarren. Leider war das Originalbild nur 800x800Pixel groß und deshalb viel zu klein, um an dieser Stelle auf einem FullHD-Monitor formatfüllend zu dienen. Wenn die Website schon kostenlos ist, dann ist es vielleicht auch egal, wenn die Bilder durch die Vergrößerung unscharf und pixelig sind.

Mein Fazit zum Jimdo-Baukasten

Und kann das was? Jein. Wer eine wirklich individuelle Website braucht (oder will), der wird hier nicht fündig. Wem so standard-einfach reicht, der ist hier richtig.

Werde ich selbst damit überflüssig? Definitiv nicht, denn das, was wir produzieren ist individuell auf unsere Kunden zugeschnitten. Das meint nicht nur vernünftige Bilder, die auch scharf dargestellt werden und schicken, schlanken Code – das meint vor allen Dingen die Beratung der Kunden. Was braucht ein Unternehmen, was will ein Unternehmen erreichen, wen will es erreichen. Das Online-Marketing-Konzept von Struktur bis zur grafischen und inhaltlichen Ausgestaltung eben, für das den meisten Unternehmen inhouse das Know-how fehlt. Das kann ein Baukasten nicht ersetzen. Chatbot mit vier Fragen hin oder her.

Wer Websites für 250 Euro bastelt wird es dank Jimdo & Co schwerer haben

Allerdings dürfte den einfachen Websitebasterlnnnen, die für 250€ eine Website hinpfuschen weiter die Luft abgedrückt werden. Da aber auf der anderen Seite die Ansprüche an eine wirklich gute Unternehmens-Website immer höher werden, wird der Trend zur Professionalisierung bei den Agenturen weiter anhalten.

Die Berechtigung der Baukästen liegt überall dort, wo Menschen mit wenig Geld und Wissen „irgendwas“ ins Netz bekommen müssen – ja, das gibt es und manchmal reicht es für einen Start im Netz. Dauerhaft wird man sich aber so intensiv mit dem Baukasten, dem Online Marketing, den Texten, den Bilder, der Suchmaschinenoptimierung und und und beschäftigen müssen, dass man sich die Frage stellen muss: Baukasten und meine Zeit, die dann für mein Geschäft fehlt – oder Agentur und Geld für deren Zeit bezahlen?

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